Atemschutz Notfalltraining

Aus Feuerwehr Ausbildungswiki
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Lernziele

Der Lehrgangsteilnehmer soll,

  • das Verhalten bei Notfällen im Atemschutzeinsatz erlernen
  • das Verhalten als Sicherheitstrupp erlernen
  • die Rettungsausrüstung kennen und beherrschen
  • sich als Sicherheitstrupp im Einsatz richtig verhalten
  • das Wechseln des Lungenautomaten im Rettungseinsatz beherrschen

Verhalten bei Notfällen im Atemschutzeinsatz

Allgemeines

Die Erfahrung zeigt, dass sich Unfälle im Atemschutzeinsatz nicht ausschließen lassen. Um die Einsatzkräfte besser auf mögliche Notsituationen vorzubereiten, werden allgemeine Verhaltensstrategien für Notfälle vorgestellt. Betrachtet man fiktive Notfallszenarien, stellt man fest, dass ein Atemschutzgeräteträger in folgende Einsatzsituationen geraten kann:

  1. Er kann direkt von einem Unfall betroffen sein (Schadensereignis / Gerätedefekt o.ä.)
  2. Er kann indirekt von einem Unfall als Mitglied eines Sicherheitstrupps betroffen sein.

Jede dieser Einsatzsituationen verlangt vom Atemschutzgeräteträger eine unterschiedliche, der jeweiligen Situation angepasste Verhaltensweise. Da jeder Atemschutzgeräteträger im Einsatz in jede dieser Lagen geraten kann, muss er die unterschiedlichen Verhaltensstrategien zur Bewältigung dieser Notfälle erlernen.

Verhalten als verunglückter Atemschutztrupp

Nach einem Unfall, besteht die wichtigste Aufgabe darin, die eigene Selbstkontrolle wiederzugewinnen und die Lage zu analysieren.

Versuchen Sie die folgenden Basismaßnahmen durchzuführen:

Überprüfen Sie ihre Lage.

  • Haben Sie Kontakt zu ihrem Atemschutztrupp?
  • Sind Sie oder ein Truppmitglied verletzt?
  • Ist ihre Ausrüstung vollzählig und intakt (PA auf, Flaschendruck, und dichter Sitz des Atemanschlusses, Funkgerät, Lampe, Rettungsschere)?
  • Befinden Sie sich in einer Zwangslage (verschüttet, eingeklemmt, eingeschlossen?)

Suchen sie Ihre Umgebung nach vermissten Kollegen ab.

  • Benutzen Sie dabei nach Möglichkeit Ihre Feuerwehrleine als Führungsleine

Beurteilen Sie jetzt Ihre Lage und legen Sie fest, welche Maßnahmen Sie durchführen müssen.

Versuchen Sie zuerst Kontakt mit der Atemschutzüberwachung aufzunehmen

Notfallmeldungen werden wie folgt abgesetzt:

  • Kennwort: mayday, mayday, mayday
  • Hilfe suchende Kraft:
hier <Funkrufname>
<Standort> (z.B. Kellergeschoss links)
<Lage> (z.B. bin verletzt und eingeklemmt)
  • Gesprächsabschluss: mayday – kommen!

Wiederholen Sie den Notruf so lange, bis Sie eine Empfangsbestätigung erhalten. Denken Sie daran, dass die Atemschutzüberwachung ansonsten erst bei der nächsten Atemluftkontrolle Ihre Lage erkennt und Rettungsmaßnahmen einleitet.

Versorgen sie soweit wie möglich Ihre Verletzungen.

Nehmen Sie eine bequeme Position ein und bewegen Sie sich nicht unnötig, um Ihren Atemluftvorrat zu schonen.

Achten sie auf Geräusche des Sicherheitstrupps und versuchen Sie auf Ihren Standort aufmerksam zu machen (Licht-, Schallzeichen)

Weisen Sie den Sicherheitstrupp in Ihre Lage ein.

Bei Ausfall oder Beschädigung des Pressluftatmers müssen Sie unverzüglich handeln, indem Sie sich auf dem schnellsten weg ins Freie retten (setzen Sie den Notruf ggf. auf dem Rückweg ab)

Ansprache eine verunglückten Atemschutzgeräteträgers


Verhalten als Sicherheitstrupp

Aufgaben (Gemäß Löschzugkonzept BF Köln)

  1. Sprungretteinsatz bei Menschenrettung
  2. Stellt die Wasserversorgung vom Fahrzeug bis zur Einsatzstelle sicher
  3. Einrichten eines Bereitstellungsraumes am Verteiler (Schlauchmaterial, Strahlrohr, Handscheinwerfer, Notfallpaket)
  4. Rüstet sich mit der erweiterten persönlichen Schutzausrüstung aus und wird Sicherheitstrupp (anmelden bei Atemschutzüberwachung)
Atemschutz Sicherheitstrupp im Bereitstellungsraum

Aufgaben im Rettungseinsatz (einsatztaktisch)

Durchführung von Erstmaßnahmen:

  • Auffinden des in Not geratenen Atemschutztrupps
  • Einweisung weiterer Atemschutztrupps zur Rettung
  • Sicherstellung der Atemluftversorgung
  • Erkunden weiterer Maßnahmen zur Befreiung

Die primäre Einsatzaufgabe des Sicherheitstrupps besteht darin, in einer Notfall situation unverzüglich eingreifen zu können. Es muss jedoch beachtet werden das ein aus zwei Leuten bestehender Sicherheitstrupp nur bedingt eine Rettung eines in Not geratenen Atemschutztrupps durchführen kann. Deshalb ist es einsatztaktisch erforderlich bei dem Einsatz des Sicherheitstrupps so früh wie möglich weitere Atemschutztrupps (3 Mann) einzusetzen.

Um dieses Ziel zu erreichen muss sich der Sicherheitstrupp in ständiger Einsatzbereitschaft befinden. Dazu rüstet er sich komplett aus (Maske aufgezogen), überprüft seine Preßluftatmer, schließt aber seine Lungenautomaten noch nicht an. Zusätzlich muss er seine Rettungsausrüstung am Bereitstellungsort ablegen und für den Einsatz vorbereiten. Bei einem Löscheinsatz bereitet der Sicherheitstrupp (nach Weisung durch den Einsatzleiter) zusätzlich eine Angriffsleitung zur eigenen Sicherung / Rückzugwegssicherung vor. Dies ist erforderlich, da nicht auszuschließen ist, dass der zu rettende Trupp sich während seines Einsatzes von der Angriffsleitung entfernt hat.

Danach meldet der Sicherheitstrupp seine Einsatzbereitschaft der Atemschutzüberwachung. Dabei verfolgt er ständig den Funkverkehr zwischen der Atemschutzüberwachung und den eingesetzten Atemschutztrupps, um stets über die aktuelle Einsatzlage (z.B. Einsatzort, Probleme, etc.) im Objekt informiert zu sein. Seinen Einsatzbefehl erhält der Sicherheitstrupp vom Einsatzleiter, der von einem Atemschutznotfall auf einem der beiden folgenden Meldewege Kenntnis erhält:

  • Der verunglückte Atemschutztrupp meldet einen Notfall
  • Die Atemschutzüberwachung meldet einen Notfall aufgrund von Unregelmäßigkeiten (z.B. Trupp reagiert nicht auf die Druckabfrage) im Einsatzverlauf
    In beiden Fällen erfährt der Sicherheitstrupp unmittelbar über den Einsatzstellenfunk von dem Atemschutznotfall. Dadurch erhält er die Chance, sich kurz zu sammeln, bevor er seinen Einsatzbefehl vom Einsatzleiter erhält. Nach Erhalt Ihres Einsatzbefehls führen Sie folgende Maßnahmen durch:
    • Melden Sie sich bei der Atemschutzüberwachung
    • Lassen Sie sich von der Atemschutzüberwachung in die Lage einweisen
      Wo ist der verunglückte Trupp in die Einsatzstelle eingedrungen?
      Wie ist er gesichert ( Schlauchleitung, Sicherungsleine)?
      Wo befand sich der verunglückte Trupp zuletzt?
      Haben wir Funkkontakt?
    • Nehmen Sie ihre Rettungsausrüstung auf
    • Gehen Sie zur Rückzugswegsicherung des betroffenen Atemschutztrupps
    • Schließen Sie Ihre Lungenautomaten außerhalb des Gefahrenbereichs gegenseitig an
    • Sichern Sie ihren Rückzugsweg (Schlauchleitung, Sicherungsleine).
      Der Einsatzleiter entscheidet je nach Lage mit welcher Rückzugswegsicherung der Sicherheitstrupp in die Einsatzstelle vordringt.
    • Dringen Sie zügig in die Einsatzstelle ein und folgen Sie der Rückzugswegsicherung des betroffenen Trupps bis zum Strahlrohr bzw. zum Leinenbeutel
    • Versuchen Sie Kontakt mit Ihren Kollegen aufzunehmen (rufen, klopfen, Lichtzeichen)
    • Suchen Sie Ihre Umgebung ab, beginnen Sie am Strahlrohr bzw. am Ende der Sicherungsleine mit der Suche.

Wenn sie einen Kollegen oder den gesamten Trupp finden führen Sie folgende Maßnahmen durch:

  • Überprüfen Sie die Lage des/der Kollegen
    Lassen Sie sich durch den Trupp in die Lage einweisen
  • Beurteilen Sie jetzt die neue Lage und legen Sie fest, welche Maßnahmen Sie als nächstes durchführen müssen.
  • Geben Sie eine Rückmeldung (vorgefundene Lage, Nachforderungen) ab.

Stellen Sie unter Umständen die Atemluftversorgung des Verunglückten mit dem Reservepreßluftatmer sicher.

  • Befreien sie nun den Verunglückten aus seiner Zwangslage.
    Dabei können Sie z.B. die Feuerwehraxt als Hebel einsetzten.
  • Versorgen Sie die akuten Verletzungen
  • Leiten Sie die Rettung des Verunglückten ein und erwarten Sie u.U. weitere Unterstützungstrupps.

Wechseln des PA

Das Wechseln des PA macht nur Sinn, wenn:

  1. Der Atemluftvorrat zur Neige geht
  2. Der zu Rettende noch orientiert ist und somit mitarbeiten kann
  3. Keine Bewusstlosigkeit vorliegt
    Bei bewusstlosen Personen ist die schnelle Rettung (Crash-Rettung) der Bereitstellung der Atemluftversorgung vorzuziehen. Ist es jedoch erforderlich einen PA – Wechsel durchzuführen so wird der Lungenautomat durch Drücken des Spülknopfes geöffnet bzw. „angeatmet“.

Bei einem notwendigen Gerätewechsel gehen Sie in folgender Reihenfolge vor:

  1. Teilen Sie dem Verunglückten mit, was Sie beabsichtigen, und legen Sie die Rettungstasche an seinem Kopfende ab. Wenn die Lage es zulässt, ziehen Sie ihre Handschuhe aus und leuchten Sie Ihren Arbeitsbereich mit einer Handlampe aus.
  2. Knien Sie sich hinter den Verunglückten.
  3. Nehmen Sie den Lungenautomaten in die Hand und greifen Sie mit der anderen Hand den Maskenkörper im C-Griff
  4. Teilen Sie dem Verunglückten mit, dass Sie zum Wechseln des Lungenautomaten bereit sind, fordern Sie ihn auf dreimal einzuatmen und dann den Atem anzuhalten.
  5. Nach dem 3. Atemzug entfernt der 2. Mann des Sicherheitstrupps den Lungenautomaten und der neue Lungenautomat wird in den Adapter eingeschoben bis er spürbar einrastet.
    Zum Herausspülen von Rauch oder Gas aus der Maske muss der Spülknopf dosiert gedrückt werden.
  6. Geben Sie dem verunglückten ein Zeichen, dass der Gerätewechsel abgeschlossen ist.
Handhaltung C-Griff und neuer Lungenautomat