Einsatztaktik Atemschutz

Aus Feuerwehr Ausbildungswiki
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Grundausrüstung aller eingesetzten Atemschutztrupps

Die Ausrüstung von Atemschutztrupps im Brandeinsatz ist in der Checkliste Brandschutz: Ausrüstung beschrieben.

Angriffstrupp

Angriffstrupp

Die Ausrüstung besteht aus:

  • Der persönlichen Schutzausrüstung gemäß UVV
    • Helm mit Visier
    • Brandschutzkleidung
    • Handschuhe
    • Stiefel
  • Der Erweiterung der Ausrüstung
    • Sicherheitsgurt
    • Atemschutz
    • Rettungsschere
    • Feuerwehrleine im Tragebeutel
    • Holzkeile
    • Kreide
    • Je eingesetztem Trupp:
    • 1 FW Axt
    • 1 Handlampe
    • 1 Funkgerät
    • 2 Fluchthauben
    • 1 Wärmebildkamera

Sicherheitstrupp

Sicherheitstrupp

Die Ausrüstung des Sicherheitstrupps ergänzt sich um das Rettungspaket

Aufgabenverteilung innerhalb des Atemschutztrupps

Innerhalb des Trupps sind die Aufgaben bezogenen Funktionen wie folgt fest gelegt.

Truppführer:

  • führt den Trupp
  • überwacht den Trupp
  • Kommunikationsschnittstelle zur Atemschutzüberwachung
  • beobachtet die Einsatzlage im Gefahrenbereich
  • führt den Trupp mittels festgelegter Kommandos

Strahlrohrführer:

  • führt das Strahlrohr
  • sucht Bereiche ab

Türmann :

  • kontrolliert zu öffnende Türen
  • öffnet Türen auf Kommando
  • sichert geoffnete Türen
  • führt den Angriffsschlauch nach
  • sucht Bereiche ab
Türkontrolle durch den vorgehenden Trupp

Richtiges Vorgehen in Brandobjekte und Gefahrenbereiche

Der Beginn des Gefahrenbereichs wird mit dem Verteiler gekennzeichnet. Bei der Vornahme eines Schnellangriffs ist der Verteiler immer zusätzlich zu setzen, um bei einer Ausdehnung der Schadenslage schnell reagieren zu können.

Verteiler ist außerhalb des Gefahrenbereichs zu platzieren

Der Truppführer überprüft den Atemluftvorrat jedes einzelnen und gibt den niedrigsten Wert an den Atemschutzüberwachenden weiter. Der Atemanschluss ( Lungenautomat ) wird erst an der Rauchgrenze gegenseitig angelegt. Der vorgehende Trupp dringt nur mit Wasser am Rohr in das Brandobjekt ein. Bis zur Rauchgrenze kann der Trupp ohne Wasser vordringen. Eine genügende Schlauchreserve ist bereitzulegen ( Lagerhallen, Tiefgaragen, weitverzweigte Kelleranlagen usw.) Der Trupp geht immer in gebückter Haltung unter Ausnutzung jeglicher Deckung im Brandobjekt vor. Dies gilt auch bei allen sonstigen Einsätzen, bei denen sich der Trupp im Gefahrenbereich bewegt (GSG, Strahlenschutz, Brandeinsätze, Gasausströmung

Vorgehen im Gefahrenbereich

Eindringen in Brandobjekte

Es ist nach Weisung des Gruppenführers zu arbeiten oder es ist die Rechtsregel ist einzuhalten. D.h. man beginnt, wenn keine anderen Hinweise oder Erkenntnisse vorhanden sind, mit dem rechten Flur, Raum oder Seite in einem Brandobjekt zu suchen. Der Truppführer gibt über 2m Funk ständig den Standort bzw. die Lage des Trupps bekannt (z.B. „Betreten jetzt 1. Raum rechts!“).

Überprüfen von Türen

Die Türen sind vor dem Öffnen immer auf Wärme zu überprüfen (Temperaturcheck). Hierbei wird die Tür vom Boden in Richtung Decke mit dem Handrücken geprüft oder die Tür wird mittels Strahlrohr angesprüht. So kann durch das Ertasten oder das Verdampfen von Wasser der Temperatur Zustand der Türe überprüft werden.

Wird die Türe als „kalt“ getastet so wird in den gefahrenbereich durch öffnen und unterkeilen der Türe eingedrungen.


Aufgabe Kommando Maßnahme Erbebnis
Kontrolle von Türen „Temperaturcheck“ Abtasten der Türe
Ansprühen der Türe
kalt
Türe kalt „öffnen“ Öffnen der Türe;
verkeilen der Türe
Öffnen der Türe Vorgehen zur Menschenrettung/
Brandbekämpfung


Wird die Tür „heiß“ getastet so geht der Trupp folgend vor


{class="wikitable" ! Aufgabe ! Kommando ! Maßnahme ! Erbebnis |- | Kontrolle von Türen | „Temperaturcheck“ | Abtasten der Türe
Ansprühen der Türe | heiß |- | Türe heiß | „kühlen“ | Öffnen der Türe; einbringen von Sprühimpulsen
in die heiße Rauchschicht; Tür schließen | |- | Öffnen der Türe | „kühlen“ | Vorgehen unter Abgabe
von Sprühimpulsen | |}

Nach dem Eindringen ist die Türe ganz zu öffnen und zu unterkeilen, um den Rückzugsweg zu sichern. Dabei sollte jeder FM mehrere Holzkeile mitführen!

Der Trupp bleibt zusammen !! (muss mehr Schlauch nachgezogen werden, so hält der Strahlrohrführer an und der Türmann zieht weiter Reserve nach).

Eigenschutz

Rückzug des Angriffstrupps

Kommt es innerhalb der Einsatzstelle zur Rauchgasdurchzündung (Flash-Over) so ist nur durch das Zusammenbleiben der Truppmitglieder ein Eigenschutz möglich. Hierzu gibt der Truppführer das Kommando „Durchzündung“. Der Strahlrohrführer stellt das Strahlrohr auf Eigenschutz und bildet mit dem Sprühnebel eine Wasserwand vor dem Trupp. Der Truppführer orientiert sich falls notwendig mit der Wärmebildkamera nach dem Ausgang oder entscheidet andere Maßnahmen für das weitere Vorgehen.


Temperaturcheck

Temperaturcheck

Dringt ein Trupp in den Gefahrenbereich vor so ist durch den Truppführer die permanente Gefährdung durch eine Rauchgaszündung zu beobachten. Dabei kann durch die Abgabe von Sprühstößen in die Rauchgasschichten eine Gefährdung abgeschätz werden. Hierzu wird das Strahlrohr mit mittlerem Sprühwinken (45°) im 90° Winkel gegen die Decke gerichtet und ein ca. ein Sekunden dauernder Sprühstoß abgegeben. Besteht die Gefahr der Rauchgaszündung so ist die Rauchgaschicht thermisch aufbereitet und das eingebrachte Wasser verdampft und fällt nicht mehr Richtung Boden. Diese Kontrollmaßnahme wird durch den Truppführer mittels Kommando „Temperaturcheck“ eingeleitet.


Vorgehen im Brandobjekt

Vorgehen im Brandobjekt

Wird durch den vorangegangenen Teperaturcheck eine heiße Rauchgasschicht festgestellt so ist diese durch Sprühimpulslöschverfahren zu kühlen. Hierzu werden Sprühstöße in die Rauchgasschicht eingebracht. Der Strahlrohrführer bringt drei Sprühstöße von jeweils einer Sekunde von rechts nach links in die Rauchgasschicht ein. Hierdurch wird der Raum in seiner gesamten Breite durch die Sprühstöße erreicht. Durch das verdampfen des Wassers kühlt die Rauchgasschicht ab und der Trupp kann weiter vor gehen. Auf dem Weg zum Brandherd ist dieser Vorgang u.U. mehrmals zu wiederholen.


Vorgehen auf Treppen

Allgemein anerkannter Einsatzgrundsatz beim Begehen von Treppen unter Atemschutz in dunklen oder verrauchten Bereichen ist das Rückwärts-Begehen der Treppe, wenn möglich an der Wand entlang.

Vorgehen auf Treppe rückwärts
Vorgehen auf Treppe vorwärts


Dieser Grundsatz greift solange, wie den vorgehenden Trupps keine Flammen von unten nach oben entgegen schlagen. Beim Vorgehen auf brennenden Treppen wird zum Eigenschutz Wasser über das Strahlrohr abgegeben. Der Truppmann schützt den Trupp mit Hilfe des Löschwasserstrahls


Strahlrohrführer Truppführer
Stellt Strahlform mit Löschmittelmenge (maximal) ein Legt Schlauchreserve bereit
Setzt sich auf die obere Treppenstufe Setzt sich mit gespreizten Beinen eng hinter dem Truppmann
Nimmt Strahlrohr über die Schulter. Dadurch ist ein

flexibleres Handling des Strahlrohres möglich

Nimmt Schlauch auf der gleichen Seite wie der Truppmann über die Schulter
Gibt Wasser auf die brennende Treppe
Tritt mit beiden Füssen kräftig auf die nächste Treppenstufe,

um die Standfestigkeit der Stufe zu prüfen

Rutscht mit dem Gesäß auf die nächste Stufe Folgt dem Truppmann und unterstützt beim Vorgehen
Der Trupp arbeitet sich stufenweise dem Brand entgegen, wobei jede Stufe erneut vom Truppmann auf Standfestigkeit überprüft wird.


Ablösung eines eingesetzten Trupps

Muss ein Trupp während eines Brandes (z.B. am Strahlrohr) abgelöst werden, dann erfolgt diese Ablösung an der Einsatzstelle außerhalb des direkten Gefahrenbereichs. Müssen noch weitere Nachlöscharbeiten oder andere Maßnahmen durchgeführt werden, dann bleibt das vorgenommene Rohr liegen.

 Merke ! Menschenrettung geht vor Brandbekämpfung

Suchen von vermissten Personen

Eine erfolgreiche Suche beginnt bereit vor dem Betreten eines Gebäudes. Der Trupp verschafft sich bereits aufgrund der Außenansicht einen Eindruck von der Art und Nutzung des abzusuchenden Gebäudes: Wie wird das Gebäude genutzt? Wie viele Parteien wohnen in dem Gebäude (Anzahl der Klingeln, Briefkästen)? Sind Fenster geöffnet (Person liegt unter Umständen direkt unter dem Fenster)? Gibt es Fensterdekorationen (beispielsweise deuten Fensterbilder auf ein Kinderzimmer oder Blumen auf ein Wohnzimmer hin)? Gibt es eine Abluftöffnung an der Hausfassade oder auf dem Dach (Küche, Bad)? Ist das Dachgeschoss ausgebaut? Nach dem Betreten eines Brandraumes soll der Atemschutztrupp kurz im Eingangsbereich verweilen und die Atemgeräusche des Atemschutzgerätes unterbinden. Anschließend ruft der Trupp in den Raum hinein. Sollte sich im Raum noch eine bei Bewusstsein befindliche Person aufhalten, wird sich diese bemerkbar machen. DieChancen einer Rettung der Person steigen, da sich der Trupp an den Geräuschen der Person orientieren kann. In diesem Fall entfällt die definierte >> Suche nach Rechts<<; der vorgehende Trupp wählt die direkte Richtung zur zu rettenden Person.

Absuchen von Wohneinheiten nach vermissten Personen

Auch hier sollte nach der Rechtsregel vorgegangen werden, d.h. man beginnt, wenn keine anderen Hinweise oder Erkenntnisse bekannt sind, mit dem rechten Flur, Raum oder Seite in einer Wohneinheit zu suchen. Alle Bereiche innerhalb der Wohneinheit müssen gezielt bgesucht werden. ( Schränke , Bettkasten, Wäschetruhe ) Insbesondere bei vermissten Kindern oder geistig Behinderten ist Sorgfalt angebracht.

 Der Truppführer ist dafür verantwortlich!

Gerade in solchen, für einen Atemschutzgeräteträger schwer zugänglichen Bereich, z.B. unter Betten und Tischen ist der Einsatz einer Feuerwehraxt, mit deren Stiel wir unsere Armreichweite vergrößern können, sehr effizient! Ist die Suche innerhalb eines Raumes abgeschlossen wendet man sich dem nächsten rechts gelegenen Raum zu.

Suchtechnik in Räumen

Absuchen von großflächigen Objekten nach vermissten Personen.

Die bisher vorgestellten Such- und Orientierungsmethoden sind nur in begrenzten A-realen anwendbar. Industrieanlagen (Lager, Produktionshallen und Tiefgaragen) können bis zu mehreren tausend Quadratmeter Fläche ohne Unterteilungen groß sein. Hierbei gilt es, große breite Gassen zum schnellen Vorankommen nutzen (z.B. Pkw-Brand in Tiefgarage mit vermißter Person).

1. Trupp - mit C-Rohr/Schlauch über Einfahrt in die Hauptgasse der Tiefgarage

  • befestigen der Feuerwehrleine am Schlauch/Strahlrohr
  • dann die erste rechte Gasse mit der Fangleine gesichert absuchen
  • anschließend mit Schlauch zur zweiten rechten Gasse
  • Wiederholung des Vorgangs in allen weiteren Gassen

2. Trupp - mit C-Rohr/Schlauch über Einfahrt in die Hauptgasse der Tiefgarage

  • befestigen der Feuerwehrleine am Schlauch / Strahlrohr
  • dann die erste linke Gasse mit Feuerwehrleine gesichert absuchen
  • anschließend die zweite linke Gasse usw.

Vorteile : 1. Beide Trupps haben einen sicheren Rückzugsweg mit Schlauch und Feuerwehrleine. 2. Beide Trupps können systematisch die Tiefgarage absuchen. 3. Wenn sich ein Trupp auf Grund des Restdrucks zurückziehen muss, lässt er die Feuerwehrleine mit Feuerwehrleinenbeutel liegen, damit der Ersatztrupp bis an das Ende des Feuerwehrleinenbeutel nachrücken kann. 4. Bereits abgesuchte Bereiche werden nicht doppelt abgesucht.

Für das Vorgehen in solchen Objekten eignet sich sehr gut der Einsatz einer Wärmebildkamera.

Kennzeichnung von abgesuchten Bereichen

Aufgrund der begrenzten Einsatzzeit von Preßluftatmern kann es erforderlich wer- den, den Atemschutztrupp auszuwechseln. Um die unnötige Kontrolle eines bereits abgesuchten Raumes oder Bereiches durch den zweiten Trupp zu verhindern, ist eine eindeutige Kennzeichnung der Suchberei- che erforderlich.

 Die Kennzeichnung der Türen wird durch den Truppführer durchgeführt !

Die Kennzeichnung erfolgt durch gelbe Ölkreide.

/ Beim Betreten eines Raumes markiert der

Truppführer den Raum durch einen schrägen Strich.

X Beim Verlassen des Raumes streicht der vorgehende
Trupp sein Zeichen durch, wenn dieser komplett abgesucht
ist = Anzeichen für weitere Trupps, daß der Raum

komplett abgesucht ist.

Rettung von Personen aus Gefahrenbereichen

Rettung von bewusstlosen Personen aus dem Gefahrenbereich (Brandraum, Brandwohnung, verrauchter Bereich) Um eine erwachsene, bewusstlose Person aus einem verqualmten Gebäude zu retten, ist Kraft, Geschicklichkeit und eine entsprechende Rettungstechnik erforderlich. Die Person sollte auf dem schnellsten Weg aus dem Gefahrenbereich gerettet und dem Rettungsdienst zugeführt werden.

Ebenerdige Rettung

Die bewusstlose Person wird an den Beinen oder Armen gepackt und über die Erde aus dem Gefahrenbereich geschleift. Die bewusstlose Person wird im Rautekgriff gepackt und aus dem Gefahrenbereich geschleift. Die bewusstlose Person wird auf das Rettungstuch gelegt und aus dem Gefahrenbereich geschleift oder getragen. Die bewusstlose Person wird mittels Schleifkorb aus dem Gefahrenbereich gerettet.

Rettung über eine Treppe nach oben oder unten

Die bewusstlose Person wird von einem FM im Rautekgriff gepackt, der zweite FM packt unter die Oberschenkel oder Hosengurt.

Die bewusstlose Person wird auf das Rettungstuch gelegt, ein FM packt die oberen Griffstücke, der zweite FM die mittleren Griffstücke.

Die bewusstlose Person wird mittels Schleifkorb aus dem Gefahrenbereich gerettet.

Rautekgriff

Der Jahrzehnte bekannte Rautekgriff ist patientenschädlich und nur extremen Gefahrensituationen