Mehrzweckstrahlrohr

Aus Feuerwehr Ausbildungswiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mehrzweckstrahlrohre der Größen B, C und D

Mehrzweckstrahlrohre sind wasserführende Armaturen zur Wasserabgabe. Mit ihnen kann Wasser als Sprühstrahl oder Vollstrahl abgegeben oder die Wasserabgabe unterbrochen werden.

Die Größe von Mehrzweckstrahlrohren bestimmt sich anhand der Größe der Anschlusskupplung. Die Bezeichnung von Mehrzweckstrahlrohren leitet sich aus der Strahlrohrgröße und dem Funktionsumfang ab. Ein BM-Strahlrohr ist somit ein Mehrzwerkstrahlrohr der Größe B.

Mehrzweckstrahlrohr mit Mannschutz der Größe C

Mehrzweckstrahlrohre können zusätzlich mit einem Mannschutz ausgestattet sein. Ein CMM-Strahlrohr ist somit ein Mehrzweckstrahlrohr der Größe C mit Mannschutz.

Funktion

Das Mehrzweckstrahlrohr ermöglicht die Strahlarten Vollstrahl (Hebel nach vorne), Sprühstrahl (Hebel nach hinten) und keine Wasserabgabe (Hebel querab).

In Grenzen sind bei einem Mehrzweckstrahlrohr auch Teilstellungen möglich. Hierzu wird der Hebel in eine Stellung zwischen Voll- oder Sprühstrahl und keine Wasserabgabe gebracht. Dabei verändern sich durch die Bauart des Absperrorgans die Strahlform und die Durchflussmenge gleichzeitig.

Der (optionale) Mannschutz wird unabhängig von der Strahlart am Handgriff betätigt. Durch Drehen lässt sich ein sehr breiter Sprühstrahl stufenlos bis zur maximalen Wasserabgabe einstellen.

Handhabung

Das Mehrzweckstrahlrohr wird mit der linken Hand am Griffstück und mit der rechten Hand am Schlauch, direkt hinter der Kupplung, geführt. Dabei wird der Schlauch etwas über Hüfthöhe am Körper gehalten. Eine Befestigung von Strahlrohr oder Schlauch am Körper ist nicht zulässig.

Zur Änderung von Strahlart und Durchfluss lässt man mit der rechten Hand den Schlauch kurz los, verändert am Hebel den Löschstrahl und greift danach wieder den Schlauch hinter der Kupplung.

Alternativ zur Schlauchführung auf Hüfthöhe kann der Schlauch auch über die Schulter geführt werden. Dadurch wird der Stahl besonders stark nach unten gerichtet. Eine weitere Alternative ist die Schlauchführung unter dem Schienbein. Hier wird der Strahl besonders stark nach oben gerichtet.

Muss ein Mehrzweckstrahlrohr mit Schlauch über eine tragbare Leiter transportiert werden, wird das Mehrzweckstrahlrohr mit Mastwurf (oder doppeltem Ankerstich) und Halbschlag in eine Feuerwehrleine eingebunden und hinaufgezogen. [1]

Bis zum ersten Obergeschoss kann das Strahlrohr mit Schlauch über die Schulter gelegt und die Leiter bestiegen werden. Das Strahlrohr liegt dabei auf dem Rücken und der Schlauch verläuft nach oben über die Schulter und dann auf der Brustseite wieder nach unten. [2]

Einsatzbereich

Das Mehrzweckstrahlrohr kommt bei Feststoffbränden, also Bränden der Brandklasse A zum Einsatz. Es eignet sich sehr gut, um Wasser oder wässrige Löschmittel auf den Brand aufzubringen.

Vorteile:

  • mit dem Vollstrahl erzielt man gute Wurfweiten und -höhen
  • ebenfalls mit Vollstrahl erreicht man eine gute mechanische Wirkung und tiefes Eindringen ins Brandgut
  • unempfindlich gegen Schmutzteilchen im Löschmittel (z.B. bei Wasserentnahme aus offenem Gewässer)
  • sehr einfache Bedienung
  • sehr robustes Gerät

Für den Innenangriff ist das Mehrzweckstrahlrohr nur noch zweite Wahl, hier ist das Hohlstrahlrohr vorteilhafter.

Aufbau

Mehrzweckstrahlrohr

C-Mehrzweckstrahlrohr mit beschrifteten Bauteilen: Mundstück (1), Düse (2), Rohr-/Griffstück (3), Absperrorgan (4), und Festkupplung (5)

Ein Mehrzweckstrahlrohr besteht aus folgenden Bauteilen:

  1. Mundstück
  2. Düse
  3. Rohr- / Griffstück
  4. Absperrorgan (Kugelhahn mit Drallkörper)
  5. Festkupplung

Mehrzweckstrahlrohr mit Mannschutzbrause

C-Mehrzweckstrahlrohr mit Mannschutzbrause mit beschrifteten Bauteilen: Mundstück (1), Düse mit Mannschutzbrause (2), Rohr-/Griffstück (3), Absperrorgan (4) und Festkupplung (5)

Ein Mehrzweckstrahlrohr mit Mannschutzbrause besteht aus folgenden Bauteilen:

  1. Mundstück
  2. Düse und Mannschutzbrause
  3. Rohr- / Griffstück
  4. Absperrorgan (Kugelhahn mit Drallkörper)
  5. Festkupplung

Gerätedaten

Bezeichnung Mundstück Wasserabgabe [l/min] Wurfweite [m] Düsendurchmesser [mm]
DM mit 25 5 4
ohne 50 7 6
CM mit 100 15 9
ohne 200 20 12
BM mit 400 25 16
ohne 800 30 22

Die Werte für Wasserabgabe und Wurfweite sind eine Faustregel. Der Wert für Wasserabgabe verdoppelt sich beginnend bei 25 l/min. Der Wert für Wurfweite steigt i.d.R. in 5m Schritten beginnend bei 5m. Exaktere Werte sind auf der Seite Diskussion:Mehrzweckstrahlrohr#Faustregel zu finden.

Prüfung

Sichtprüfung:

  • Mundstück ggf. mit Dichtung vorhanden?
  • Keine Beschädigungen oder Risse am Geräte
  • Dichtung nicht eingerissen
  • Keine Fremdkörper im Rohr (Düse und Drallkörper)

Funktionsprüfung:

  • Kupplung leichtgängig
  • Kugelventil leichtgängig
  • Keine Kerben in Düse und Mundstück
    • Der Vollstrahl tritt als runder geschlossener Strahl aus dem Rohr aus und bleibt einen weiteren Meter geschlossen.
    • Der Sprühstrahl bildet einen geschlossenen Kegel.
  • In geschlossener Stellung tritt kein Wasser aus.

Zubehör

Normung

Mehrzweckstrahlrohre sind nach DIN EN 15182-3 genormt. Die veraltete Vorgängernorm ist die DIN 14365.


Einzelnachweise

  1. AFKzV: Befestigen und Hochziehen von Geräten In: FwDV 1, September 2006, S. 119
  2. AFKzV: Vornahme einer C-Druckleitung über Leitern In: FwDV 1, September 2006, S. 25